Warum wir einen Generator haben.

Als wir unsere Grace kauften hatte sie einen Petroleumherd. Das fanden wir toll, hatten wir doch von vielen Weltreisenden gelesen, die genau so einen Herd an Bord hatten und den niemals hergeben würden.
Nun ist das ja nicht gerade einfach. Knopf rum und An ist da nicht! So ein Herd hat einen unangenehmen Eigengeruch. Dieser Petroleumgeruch hatte sich das ganze Schiff erobert. Es war unangenehm wenn man nach ein paar Wochen wieder an Bord kam. Ich besorgte extra geruchsarmes Petroleum, später dann reines Parafin. Der Geruch blieb uns treu. Das war nicht zuletzt auf immer wieder neue Undichtigkeiten zurückzuführen. Fast kein Urlaubstag verging an dem nicht ein Brenner gereinigt werden wollte, an einer anderen Stelle Petroleum tropfte oder eine Flamme nicht angehen wollte.

 
Der Herd wurde über den Winter ausgebaut und mitgenommen, ein Großteil der Verschraubungen wurde erneuert, probeweise ein neuer Brenner installiert, die anderen beiden Brenner zerlegt, komplett gereinigt. Neue Düsen und Nadeln kamen rein, alles sollte funktionieren. Leider passte der neue Bertschi-Brenner aus einem Stück nicht ohne größere Umbauarbeiten rein, also ließen wir es erstmal bei den Optimusbrennern. Aber die Probleme hörten nicht auf. Der Anzündprozess konnte zwar durch den Einsatz einer Gaskartuschen-Lötlampe mit Piezozündung erheblich erleichtert werden, die Leckagen hörten aber nicht auf. Der Herd ist nicht gut zu regeln, er verbreitet eine sagenhafte Hitze wenn man zB. ein Brot backen will. Sehr schön sah er auch nicht aus. Eine Komplettüberholung bei Bertschi war fast so teuer wie ein neuer Herd – und die Dinger kosten eine Menge Geld …
Nun hätte man einfach einen Gasherd einbauen können – die meisten Schiffe haben schließlich einen Gasherd. Aber das war mir zu gefährlich. Das Gas ist schwerer als Luft, tritt es im Schiff aus kann es nicht einfach nach unten abfließen, schließlich ist so ein Schiff ziemlich dicht nach unten. Also mir erschien das zu gefährlich. Außerdem wäre ein aufwändiger Einbau der Gasflaschen nötig gewesen, auf unserem Schiff ist das schwierig und würde die einzige Backskiste noch weiter verkleinern.
Was gibt es noch? Diesel und Elektro. Da Diesel dem Petroleum nah verwandt ist und ich noch nichts positives über die Wallasherde gelesen hatte schied diese Möglichkeit aus.
Aber elektrisch? Wo soll man die Energie hernehmen wenn man vor Anker liegt. Klar, im Hafen geht das – aber unterwegs? Nun gibt es ja straffe Inverter die aus 12V Gleichspannung 230V Wechselspannung machen. Aber unsere Batteriebank mit 400Ah wäre mit nur einer einzigen Kochplatte nach wenigen Minuten leergelutscht. Also muss ein Generator her.
Ich fing an, mich mit Stromgeneratoren zu beschäftigen. Es schien verschiedene Möglichkeiten zu eröffnen. Zum Einen hätte man jederzeit genügend elektrische Energie an Bord. Der Herd könnte kochen und backen, ganz nebenbei werden die Batterien geladen und selbst ein Tauchkompressor schien möglich zu werden. Auf einen Windgenerator und Solarzellen könnte man verzichten. Ich fing an zu rechnen. Was kostet eine Generatoranlage im Gegensatz zu einer Wind/Solar/Wellengenerator-Anlage. Der Generator schnitt günstiger ab und machte das Rennen.
Wir entschieden uns für den Einbau eines Paguro Vario. Italienischer Hersteller „VolpiTecno“, Vertrieb durch Schneider Boote, importiert von VA-Marine Handel.
Hier ein paar Fotos vom Einbau:

 
Im ersten Jahr war der Generator noch nicht so recht zu nutzen. Da hatten wir den elektrischen Herd noch nicht. Aber nach dem Umbau der Pantry war es soweit. Er sollte nun verstärkt zum Einsatz kommen. Leider gingen nun die Probleme los. Der Generator sprang gut an, lief auch rund und schön – lieferte aber keinen Strom. Aus/An – kein Strom. Alle Verbraucher aus / An – Strom da! Aha, er muss also verzögert zugeschaltet werden. Kein Problem, ein Schaltrelais wurde zwischengeschaltet und sollte nun die Lösung bringen. Aber denkste. Am 4. oder 5. Urlaubstag versagte er den Dienst vollständig. Ein Elektriker kam an Bord und stellte fest – Inverterschaltung defekt. Na toll! Der Inverter war ein schwarzer Block, komplett vergossen – nix zu sehen, nix zu machen. Verzweiflung und Verärgerung machte sich breit. Zum Glück hatten wir eh nur kurze Touren vor und waren abends wieder in Häfen, so konnten wir kochen. Aber so war das ja nun nicht gedacht. Ich kontaktierte den Importeur und den Verkäufer. Man versprach sich zu kümmern. Aus Italien wurde ein Inverter geschickt. Er erreichte uns leider nicht vor dem Ende unseres Urlaubs. Ich habe ihn später selber gewechselt. Und siehe da – alles fein.
VolpiTecno wollte den Generator aber umrüsten. Auch über den Importeur bekamen wir die dringende Aufforderung, den Generator auszubauen und nach Italien zu schicken. Man würde ihn auf den neuesten Stand umbauen. Offensichtlich gab es mehr als einmal Probleme. Wir schickten den Generator im Oktober nach Italien. Der Winter verging und ich fing an, mir Sorgen zu machen. Mehrfach kontaktierte ich den Importeur, auch den Hersteller direkt. Immer wieder vertröstete man mich, es würde noch etwas fehlen, man würde den Generator aber bald fertigstellen.
Ende März eskalierte ich die Situation. Nun stellte sich heraus das ein neuer Inverter zum Einsatz kommen sollte. Der Hersteller kam aber mit der Produktion nicht nach – ich vermute es waren zu viele Altlasten umzurüsten.
Nach vielen Mails hin und her und bösen Drohungen ging man endlich auf mein Drängen ein. Nun sollen wir einen anderen Generator bekommen. Wir haben uns für den Paguro 6500 entschieden, ein herkömmlicher Generator, mit 1500 Umdrehungen/min., 3 Zylinder-Motor und Wärmetauscher-Kühlsystem. Er soll auch 3dB leiser sein. Der Vario im Gegensatz regelt seine Drehzahl lastabhängig und der Inverter erzeugt die passende Spannung und Frequenz aus Gleichspannung. Im Vario ist auch nur eine Einkreiskühlung drin und eine 2-Zylinder-Maschine. Der 6500 liefert 5kW Dauerleistung, der Vario kann immerhin 8kW. Die brauchen wir aber eigentlich nicht. Man muss ja nun nicht alle großen Lasten gleichzeitig betreiben.
Leider passt der Einbaurahmen nicht so ganz, der 6500 ist etwas größer. Ich kann nur hoffen das die Werft dazu eine einfache und stabile Lösung findet. Die 60kg Zusatzgewicht wird die Grace verkraften. Da sehe ich keine Probleme.
14.04.2011: Der Paguro 6500 ist inzwischen in Barth eingetroffen.
27.08.2011: Der 6500 läuft gut, er wurde nach der Wasserung auf den vorhandenen Träger mit leichter Modifikation gestellt. Das passte ganz gut, nur 2 Blechstreifen wurden zusätzlich gebraucht. Nachdem wir in Schweden in diesem Sommer noch ein neues Vakuumventil in den Ansaugschlauch des Kühlwassers eingebaut haben, sabbert auch kein Wasser mehr in den Maschinenraum.

Links:
Schneider Boote
VA-Marine
VolpiTecno

Neben dem Generator können wir uns im Hafen natürlich mit Landstrom versorgen. Dieser wird über einen Trenntrafo eingekoppelt. Über einen manuellen Umschalter wählen wir die Quelle aus.
Die dritte Möglichkeit die Batterien zu laden ist die Hauptmaschine. Von dort kommen max. 50A über einen modernen Regler.

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