Für diejenigen die nun glauben das wir keine Ahnung von Geografie haben, die sollen sich mal eben die Insel St.Martin/Sint Maarten anschauen.

Nach 3 Wochen auf St. Martin läuft nun endlich unser Wassermacher. Besser als je zuvor, denn jetzt hat er einen Zwischenpuffer und die Hauptpumpe muss nicht ansaugen sondern wird aus einem darüber liegendem Kanister gespeist. Dieser wiederum wird von einer separaten Feed-Pumpe bis zu einer bestimmten Marke gefüllt und dann wieder teilweise entleert.

Zwar sieht das Ganze nach ziemlich grober Bastelei aus – Leinen halten den Kanister in Position, diverse neue Schläuche kreuzen durch die Gegend und auch der Einschalter für den Wassermacher hat nun die dreifache Größe erreicht – aber wenn es so funktioniert müssen wir uns hoffentlich keine Sorgen wieder um die Drehschieberpumpe machen.

Die Zeit hingegen verging irgendwie wie im Fluge. Oft haben wir mit Freunden zusammen gesessen, dabei interessante neue Menschen kennengelernt, sind ums Boot geschnorchelt in wunderbar klarem Wasser, wir haben den Schwell verwünscht wenn das Schiff den ganzen Tag rollte und die Ruhe genossen, wenn es so glatt wie auf dem Ententeich war. Wir haben morgens ausgeschlafen, die Sonne genossen und die Regenschauer, uns über die Abkühlung am Abend gefreut. Neben dem Schiff schwimmen kleine Haie, Rochen und Schildkröten, kleinere Fische sammeln sich an einzelnen Steinen im Sandboden. Nachts soll man das Kreuz den Südens hier knapp über dem Horizont sehen – das müssen wir natürlich auch mal kontrollieren. Wahrscheinlich auf unserer Weiterfahrt denn nun stehen die Zeichen auf Abreise, aber wir haben es ja kaum geschafft, die Insel zu besichtigen !

Deswegen haben wir nun beschlossen, einen kleinen Leihwagen zu nehmen. Das ist doch viel bequemer als alles mit dem Bus zu machen und man kommt auch deutlich schneller voran. So mieten wir also einen Kleinwagen und unterhalten uns noch so über die verschiedenen Autos die wir bisher so hatten – nur um dann festzustellen, das dieser hier ein chinesisches Fabrikat – nämlich ein „Great Wall“ ist. Der fährt ganz manierlich, liegt gut auf der Straße, die Automatik schaltet sauber und der Motor zieht auf den wenigen Steigungen auch prima durch. Im Innenraum ist es angenehm, man sitzt gut und alles ist prima zu bedienen. Das dürfte den europäischen und japanischen Autoherstellern schon bald zu schaffen machen.

Diese Insel ist schon etwas Besonderes. Es gibt jede Menge Währungen (Euro, US Dollar, Gulden – die sind alle offiziell),  die politische Trennung trennt auch unterschiedliche Kulturen und Sprachräume. Aber es ist verblüffend – hier hat kein Franzose ein Problem mit dem Englischen oder gar noch anderen Sprachen. Englisch, Französisch und Spanisch sind stark vertreten. Sogar zwei Flughäfen gibt es auf diesem winzigen Flecken Erde der auch noch zum Großteil aus einer Lagune besteht – verrückte Welt. Leider wird vieles nur vom Geld und Geld-Verdienen bestimmt. Es gibt einen Markt am anderen und man fragt sich wo die Leute alle wohnen die so viele große Märkte und kleine Läden brauchen und am Leben erhalten.

So sind wir heute ein wenig von Bucht zu Bucht gefahren, haben hier und da mal angehalten und geschaut. Im Westen ist eine größere Ecke für teure und billige Hotels reserviert. Hohe Mauern und Stacheldraht, daneben große Tore an den Einfahrten – jeweils mit einem Wachhäuschen und der Name des Hotels oder Ressorts in großen Lettern davor.

Dann weiter in den Norden, wo es noch ursprüngliche Flecken gibt. Aber auch hier sieht man zum Teil große Bungalowsiedlungen und Hotels mit Zaun drum herum.

Im Osten ist dann eine Bucht wo die ganzen Charteryachten liegen. Aber dort war tote Hose, Crewwechsel ist wohl am Samstag und so ist es Freitags noch ruhig. Die Crews nutzen ihren letzten Tag und liegen nochmal in einer anderen herrlichen Bucht vor Anker.

Am Freitag waren wir auch beim Zahnarzt. Bens löcheriger Zahn, von dem er im Januar die Füllung verloren hat, tat ihm nun wieder weh. Der Zahn hatte inzwischen eine ungesunde graue Farbe. Wo eine Zahnarztpraxis ist war uns von den Spaziergängen bekannt und so ging es rucki zucki – Zahn war draußen. Ben war wiedermal ziemlich tapfer, das war schon eine größere Nummer als ein paar Spritzen für die Impfungen. Zum Glück ist das nun vor unserer Abreise noch passiert und nicht nach 2 Seetagen. Dann wäre es schwieriger gewesen ihm zu helfen.

Ein besonderes Novum ist für uns das wir einen Gast an Bord haben werden. Adam ist Amerikaner und seit 4 Jahren ohne Geld unterwegs. Er war lange Zeit in Europa, dabei auch eine Weile in Deutschland, hauptsächlich in Bayern. Nun möchte er wieder nach Hause und hat den Weg über den Ozean schon geschafft. Aber die meisten Yachten gehen von hier nach Süden, nur wenige gehen mit uns in den Norden. Wir wollen ihn bis zu den Bahamas mitnehmen. Von dort sollte es für ihn einfach sein, ein Boot nach Florida zu bekommen.
Einerseits versprechen wir uns von dieser Sache die Verbesserung unserer Sprachkenntnisse, andererseits haben wir natürlich auch Bedenken. Wie wird das alles so klappen? Kann man ihm vertrauen? Welche Probleme warten bei Aus- und Einklarieren auf uns wenn er an Bord ist? Seine Empfehlungen sind sehr gut. In den letzten Wochen war er bei Andreas auf der „Kama“, er hat ihn in den höchsten Tönen gelobt. Zur Zeit lebt Adam an Land auf einer Farm – ja schon komisch, aber auch das gibt es hier auf St. Martin – da wo man eigentlich nur Casinos und Einkaufspassagen erwartet. Er wird dann am Samstag oder Sonntag bei uns einziehen und hoffentlich geht’s dann am Montag los. Bisher passt das Wetter gut. Wir rechnen mit leichten achterlichen Winden und wenig Welle – vielleicht eine Art Spaziergang vor der härteren Strecke nach New York.

Gestern hatten wir dann noch das „Besondere Vorrecht“, eine Time-Sharing-Präsentation zu erleben. Zum Glück hat der gute Mann schnell gemerkt das wir nichts kaufen werden und wir haben uns ganz zwanglos unterhalten. Das war sehr nett und interessant. So war es zwar einerseits verlorene Zeit, andererseits auch nett, diesen Mann kennenzulernen und die Maschen wie die Leute geködert werden.

Die Nacht war scheußlich. Wir konnten nicht schlafen, weil ein sehr unangenehmer Schwell in der Bucht stand und die Schiffe herumschaukelte. Heute Morgen sind wir dann in die Marina gefahren. Wir liegen jetzt also einen Tag hier drin und hoffen, morgen zu den Bahamas starten zu können. Adam ist heute am Morgen eingezogen und wir unterhalten uns schon sehr angeregt über dieses und jenes. Spannend!

Den Rest erzählen die Bilder, hier sind sie.

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