Vom Marinabüro bekommen wir eine Telefonnummer für den Zoll. Dort rufen wir mit dem Satellitentelefon an aber bekommen keine Verbindung. Eine Mailbox geht immer ran. Na fein. Im Marinabüro helfen sie uns aus, rufen eine andere Nummer an und erfahren, dass der Beamte für die Einreise heute nicht da ist. Wir sollen uns morgen wieder melden.

OK, was nun. Dürfen wir jetzt von Bord oder nicht? Eigentlich soll alles total streng sein, wir haben Bedenken. Aber den Tag wollen wir nicht ungenutzt verstreichen lassen. Also gehen wir in den nächsten Telekom-Laden und besorgen eine Telefonkarte fürs Handy und eine Internetkarte fürs Tablet. Nun sind wir erstmal online. Ein paar Lebensmittel zum Mittagessen und dann wärmen wir uns an Bord auf. So eine Sch…kälte! Dann fahren wir mit der Fähre über den Hudson und besuchen die 9-11-Gedenkstätte. Zwei große Becken mit Wasserfall ringsherum, dort wo die WTC-Türme standen, sind umgeben mit einer Brüstung auf der alle Namen der Opfer stehen. Gefällt uns gut und wir Erwachsenen denken an die Bilder, die um die Welt gingen und die Folgen in den Jahren danach – 2001, so lange ist das schon wieder her.

Dann laufen wir ein wenig herum, heben immer wieder die Augen zum Himmel und suchen das obere Ende der Häuser.  Wir landen in einem Schuhladen auf dem Broadway. Kaufen einen Gürtel, drei Schirme und Badetücher. Alles sehr preiswert. Gerne hätte ich mir ein paar neue Sandalen gekauft aber der Laden ist so groß und irgendwie total unübersichtlich, außerdem nervt shopping sowieso … also nix wie raus. Wir gehen weiter, essen eine Kleinigkeit und fahren zurück über den Hudson in die Marina. Dort gibt’s denn endlich wieder Wärme aus der Heizung. Brrr.

Am zweiten Tag wieder der Versuch, den Cruising-Permit beim Zoll zu bekommen. Die Marina ruft für uns an und bestellt ein Taxi. Der Taxifahrer hat Probleme, das richtige Gebäude zu finden. Wir sind in einer Gegend wo tausende LKW herumfahren und Container transportieren.  Nicht so einfach. Am Ende findet er es und ich gehe rein. Registrierung beim Pförtner, dann ins Büro. Uh, oh – der richtige Mann ist gerade auch nicht da, was machen wir denn da. Erstmal erzählen, woher, wohin usw. – Fazit: die Deutschen sind noch verrückter als die Iren. Na bitte, da haben wir es.
Jetzt wird die Software befragt und ein Kollege und letztlich kommt ein Cruising-Permit raus, gestempelt, unterschrieben – fertig. Kein Wort von zu vernichtenden Lebensmitteln, keine Kontrolle an Bord. Jetzt muss ich aber noch zur Einwanderungsbehörde. Ich bekomme eine Telefonnummer. Natürlich ist das ganz woanders. Während ich auf das Taxi warte rufe ich mal an. Erstaunen, zwei mal Nachfragen – dann heißt es OK, kommen Sie her, wir machen das. Aber die ganze Crew muss kommen. Also mit dem Taxi zurück in die Marina, Marlies und Ben machen sich fertig und wir starten wieder durch. Bei der Immigration ist eine riesige Baustelle, ein Terminal für Kreuzfahrtschiffe wird gebaut. Aber auch dieses Büro finden wir, jeder kennt uns schon – wir sind was Besonderes an diesem Tag. Die Einreise wird gründlich aber sehr freundlich abgewickelt. Dann sind wir endlich offiziell da, angekommen für ein halbes Jahr mit zwei geschenkten Tagen – Danke.

Leider bekommen wir nun kein Taxi. Meine Versuche eines zu bestellen scheitern irgendwie an der schlechten Telefonverbindung. Aber heute ist es wärmer, wir haben gesunde Füße – wozu haben wir die eigentlich? Genau, wir laufen los. Weit sind wir noch nicht als ganz langsam ein großer SUV an uns vorbeifährt, wendet, neben uns hält. Ein älterer Mann gibt uns eine Film-CD durchs Fenster. Wäre ein doller Kinderfilm, sollen wir unbedingt Ben zeigen. Ha? Wie? Wir bedanken uns und fragen ob er uns mitnehmen kann. Ohja, gerne – kein Problem, er ist sichtlich froh für die kleine Abwechslung. Wir steigen ein, fahren los. Nach 100m wieder Stop. Ob wir das 9/11-Denkmal kennen. Da vorn, ganz am Ende, von den Russen erbaut. Putin war zur Einweihung da. Keiner kennt’s, wäre aber sehr schön. … Ja klar, fahren wir mal hin! Wieder wenden, ah ja.
Es ist wirklich schön, eine große Träne in einem zerrissenem „Gebäude“. Ringsherum auch die Namen, dazu noch viele Gedenksteine als Umrandung für die Wege, ebenfalls mit Namen und persönlichen Widmungen. Einer der Steine ist für seine Ehefrau, das erzählt er uns nachdem wir wieder eingestiegen sind.
Und verrückt – ich habe jetzt beim schnell mal Suchen tatsächlich nichts davon im Internet gefunden …

Dann fahren wir nach Bayonne, der Mann bringt uns zur Bahnstation. Viele gute Wünsche, herzlichen Dank, auf Wiedersehen.
Auf dem Bahnsteig kaufen wir Fahrkarten und beschließen, erstmal was zu essen. Mit Kohldampf ist Stadtbesichtung nicht zu ertragen. Unser Tablet verrät uns eine preiswerte Pizzeria nur 300 m entfernt. Wir laufen hin, es ist wirklich sehr gut und preiswert. Uns gefallen die typischen Häuser, mit Holz verkleidet, bunt, manchmal etwas verfallen. Hübsch.

Dann fahren wir mit der Bahn zum nächsten Fährterminal und setzen wieder über den Hudson. Gleich am Anleger ist ein großer Spielplatz, der wird nun geentert. Freitag Nachmittag, viele Familien sind hier und genießen das etwas wärmere Wetter. Wir laufen wieder ein wenig herum, finden viele grüne Ecken zwischen den Häusern. Es ist dort zum Teil sehr ruhig. Man glaubt kaum das nebenan gleich die rush-hour tobt. Wir kaufen ein paar Lebensmittel, ruhen uns bei einem Kaffee aus, schlendern zur Brooklyn-Bridge. Die laufen wir rüber bis zum ersten Pfeiler, mit vielen Leuten, die auch auf der Brücke unterwegs sind.

Dann setzen wir uns kurz auf einem kleinen Platz und werden von einem älteren Herrn angesprochen. Oh! Aus Deutschland! Er war in Stuttgart, 1952 als Soldat. Jaja, Dresden – ob die Bombardierung wirklich hätte sein müssen … er ist unsicher. Entschließt sich am Ende für ein Ja, denn die Deutschen hätten mit diesen komischen Dingern London bombardiert (er meint die V1). Wir lassen ihm seine Meinung – verabschieden uns und laufen Richtung Fähre zurück. Wir sind reichlich pflastermüde, beenden den Tag mit einer ausgiebigen heißen Dusche in der Marina.

Heute dann ging’s weiter. Das Wetter ist prima, wir machen unser Dach über dem Cockpit weg um besser schauen zu können. Den East-River hinauf, durch die Strömung am Hell Gate (Höllentor) und  weiter bis in den Long-Island-Sound.

Die Fahrt durch die Stadt ist wirklich schön, wir fahren unter den Brücken hindurch, genießen die immer neuen Blicke in die Wolkenkratzer. Am UNO-Hauptquartier geht’s auch vorbei. Alles spielt sich in Etagen ab, das sehen wir vom Wasser aus besonders gut. Ganz unten der Fluß, dann 2 oder mehr Etagen mit Straßen, darüber eine Etage die den normalen Fußweg oder die Ladenetagen darstellt. Dann kommen die Etagen mit den Wohnungen oder Büros.  Dazwischen dann nochmal Straßen oder Brücken, auch die haben dann wieder mehrere Etagen um den Verkehr zu bewältigen. Irgendwo ist auch noch die U-Bahn-Etage und in der Luft sieht man immer irgendwo einen Heli schnell über die Häuserschluchten streben.
Jetzt liegen wir vor Anker in einer leichten Strömung, die Heizung läuft wieder und Ben holt noch ein wenig Schulstoff nach. Ringsherum ist von Großstadt nichts mehr zu sehen, es ist ruhig. Ein paar Fischer holen ihren Fang ein, vereinzelte Segler motoren mangels Wind in die Häfen, ein paar Motorboote rasen in verschiedene Richtungen. Morgen gibt’s dann Strecke Nr. 2 und wir erreichen hoffentlich das Ende des Long-Island-Sound.

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