Eigentlich wollten wir nicht so weit in den Norden fahren aber uns wurde Seattle so schmackhaft gemacht, dass wir uns entschieden haben, diesen kleinen Umweg doch noch zu fahren.

Zuerst haben wir aber den Mount St. Helens besucht. 1980 hat der Ausbruch des Vulkans viel verwüstet und die Natur ringsherum verändert. 2004 ist er das letzte Mal ausgebrochen, doch nicht in so großer Intensität. An einem kleinen See, der vor dem großen Ausbruch noch nicht da war haben wir ein Picknick gemacht und damit war für uns der Abstecher dann auch schon beendet aber nicht ohne einen Blick auf den Mount Rainier zu erhaschen. Nachdem nun in San Francisco die Erde nach unserer Abreise gebebt hat, hofften wir, dass das hier nicht wieder passiert.

In Seattle angekommen haben wir uns entschieden, gleich noch am Abend zum Space Needle zu fahren. Die Chancen einen Parkplatz mit unserem Schorsch am nächsten Tag zu bekommen standen sehr schlecht und wir hatten nicht so viel Zeit, lange herumzusuchen. So haben wir uns dieses Mal mit dem Taxi fahren lassen und Seattle bei Nacht erlebt. Es war ein schöner Anblick, die vielen Lichter der Stadt zu sehen. Sicherlich hat Seattle noch mehr zu bieten, doch abends haben auch hier irgendwann alle Attraktionen geschlossen. Den Besuch am nächsten Morgen auf dem Pike Plane Market haben wir dann doch nicht gemacht und sind in Ruhe weiter gefahren.

Jetzt müssen wir aber wirklich den „Rückweg“ antreten, denn Esther fliegt am 30.08. von Salt Lake City nach New York um dann wieder nach Deutschland zu reisen. Jetzt liegt uns doch etwas die Zeit im Nacken. Trotzdem wollen wir uns den Yellowstone Nationalpark nicht entgehen lassen. Er liegt auf der Strecke. So fahren wir wieder einmal durch atemberaubende Landschaften mit hohen Bergen, die uns zeigen, wie Schnee aussieht und tollen Flüssen, die sich durch’s Tal schlängeln.

Das Wetter ändert sich inzwischen auch etwas. Am Tage sind es immer noch um die 30°C, doch die Nächte kühlen ab bis auf ca. 5°C. Da läuft die Heizung schon mal und eine Decke mehr für die Nacht ist auch kein Fehler.

Im Yellowstone gibt es, wie eigentlich überall in den Nationalparks, sehr viele wilde Tiere zu sehen und wir hoffen, einige davon zu Gesicht zu bekommen. Wir kommen zu den qualmenden und sprudelnden Bergen und Wasserlöchern und haben, wie immer, Glück, denn gerade als wir an einem mächtig dampfenden Loch ankommen, sprudelt das in hoher Fontäne Wasser heraus. Nebenbei haben wir in einem Gespräch mitbekommen, dass das sehr selten der Fall ist. Anders ist es beim Old Faithful. Der spuckt in regelmäßigen Abständen und recht pünktlich eine hohe Fontäne. Doch auch hier waren wir wieder zur rechten Zeit am rechten Ort. Keine 2 Minuten haben wir gewartet und schon ging das Spektakel los. Es ist eine seltsame Welt in die wir da hineingefahren sind. Die verschiedenen Farben der Wasseradern, seltsame Gerüche, gluckernde Schlamm- und prustende Wasserlöcher, alles doch recht unheimlich auch.

Wir hören immer wieder deutsche Stimmen und Ben ist eifrig dabei, diese Menschen anzusprechen, damit er auch endlich mal wieder deutsch reden kann außer natürlich mit uns. So erfahren wir, dass am Tag zuvor viel weniger Touristen unterwegs waren und dass ganze Bisonherden am Wegesrand zu sehen sein sollen. Mit den ganzen Herden hatten wir kein Glück, aber wir haben ein Bison erlebt, welches genau vor unserem Schorsch auf der Straße lief und sich nicht entscheiden konnte auf welcher Seite es nun weitergehen sollte. Das war für uns recht lustig aber auch etwas beängstigend. Wir wollten dem Tier nichts tun und auf der anderen Seite macht sich so ein Bison auch nicht ganz gut in unserem Wohnmobil. Irgendwann haben wir es aber geschafft und sind vorbei gekommen. Ein Tag im Yellowstone ist eigentlich zu kurz, doch wir sind froh, dass wir auch dieses Naturschauspiel erleben durften.  Nun geht es weiter nach Salt Lake City und wir sind sehr gespannt, was uns in dieser Stadt erwartet.

Zuerst finden wir einen schönen Campground, wo Esther sich auf die Abreise vorbereiten kann. Schließlich muss alles irgendwie in die Kraxe und in nur ein Handgepäck. Eine ganz schöne Herausforderung nach drei Monaten. Wäsche waschen ist auch wieder dran und als alles fertig ist können wir den kostenlosen Shuttlebus zum Mormonentempel nutzen, den der Campground anbietet.

Schon auf der Fahrt erfahren wir einiges von den Gründern der Stadt und es wird alles vorbereitet, damit wir eine deutsche Führung durch die Tempelanlagen bekommen. Selbstverständlich alles kostenlos. Darüber staunen wir schon und sind auch etwas skeptisch. In Deutschland gelten die Mormonen als Sekte und was am Bekanntesten ist, ein Mann darf viele Frauen haben. Ob das nun ein Segen oder ein Fluch ist, ist ja noch die Frage. Auch fällt uns auf, dass immer zwei junge Damen, sie nennen sich Missionare, die Gäste durch die Gebäude führen. Gut gekleidete Junge Männer haben wir dann auch gesehen. Jeder Missionar ist erkennbar durch ein Namensschild und überall wo man hinkommt wird man freundlich gefragt, ob man irgendwelche Fragen hätte. Irgendwie ist das ganze schon beeindruckt. Wir sind trotzdem skeptisch und haben einige Fragen, die wir den Missionarinnen stellen. Schließlich stellt sich auch heraus, dass es die sogenannte „Vielweiberei“ auch bei den Mormonen nicht mehr gibt, weil es heute nicht mehr nötig ist, die Witwen zu ehelichen, was wohl damals der Beweggrund war. Naja, ich habe das im Reiseführer etwas anders gelesen. Schließlich ist es auch in den USA gesetzlich verboten und mit dem Staat wollten sie sich auf keinen Fall anlegen.

In Salt Lake City haben wir das erste Mal richtig schöne Blumenrabatten gesehen. Hier wird sehr viel Zeit und Geld investiert. Das hat uns sehr gut gefallen. Auch die Gebäude um den Tempel herum sind sehr schön eingerichtet und erinnern äußerlich  manchmal etwas an Disneyland. Eine Halle hat ein besonders konstruiertes Dach mit einer spektakulären Akustik. Die wird uns gut vorgeführt und ist echt beeindruckend. Außerdem sind alle Säulen und Bänke aus weißem Pinienholz, wurden mit Hand bemalt, so dass es aussieht, wie Eichenholz. Auch das ist eine wirklich beachtliche Leistung und Kunst.

Nach einem Abschiedsessen ist es dann soweit und wir bringen Esther zum Flughafen. Es war eine schöne Zeit zusammen mit ihr, doch auf sie warten wieder Verpflichtungen und so geht der Ernst bald wieder los.

Wir fahren weiter zu den Rocky Mountains, nicht ohne wenigstens einmal den Salzsee gesehen zu haben. Das hatten wir uns ganz anders vorgestellt. Überall lagen Reste von verendeten Vögeln und auf dem Salz lief es sich sehr seltsam.

Wir kamen durch den kleinen Ort Dinosaur – wo wir natürlich das dortige Sauriermuseum besuchten . Viel weiter kamen wir auch nicht, denn bald verlangte unser Schorsch wieder mal eine Reparatur. Das Thermostat und die Wasserpumpe mussten ersetzt werden. Das passierte leider erst am nächsten Tag, doch zum Glück gab es gleich einen Campground, wo wir die Nacht bleiben konnten. Die Reparatur hat sich den ganzen Tag hingezogen, weil die Arbeit nicht gerade flink von der Hand ging. Nachdem der Feierabend näher kam wurden die Herren doch unruhig und es ging etwas schneller. Leider haben sie vergessen dabei ordentlich zu arbeiten und nach einigen Meilen und genauem Hinsehen, fanden wir noch Pappe im Motorraum, der verhinderte, dass der Motor richtig lief. Zum Glück konnte dieser Fall geklärt werden und wir weiter fahren.

Die Rocky Mountains waren auch wieder ein besonderes Erlebnis. Ben wollte gern einen Schneemann bauen, doch an den Schnee kamen wir nicht ran. Der Aufstieg zum Gipfel, der touristenfreundlich mit Treppen versehen ist, machte uns doch ganz schön zu schaffen. Man ist einfach nix mehr gewöhnt. Bei der Fahrt durch den Nationalpark haben wir immer mal wieder angehalten um die Aussicht zu genießen oder die Bremsen abkühlen zu lassen. Das war für unseren Schorsch eine ganz schöne Quälerei.

Das nächste Ziel ist Denver, wo wir wieder bauen müssen. Dort bekommen wir endlich für unsere Markise die neuen Stangen, die am Anfang unserer Reise an der Grenze zur USA kaputt gegangen sind. Die Herstellerfirma hat ihren Sitz in Denver und letztendlich montiert Ralf das Ganze auf einem Walmartparkplatz.

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