Nach drei harten Wochen mit unglaublich vielen Dingen auf der To-Do-Liste konnten wir am vergangenen Montag endlich abfahren.

Wir sind froh, dass wir nun endlich wieder schwimmend unterwegs sind. Die ersten beiden Tage waren sehr angenehm, die Etappen mit 20 und 34 Meilen eher kurz. Der erste Tag begann mit wunderbarem Segelwetter, fast wie auf der Ostsee im Sommer. Am 2. Tag gab’s Hackwelle gegenan, ein erstes leichtes Unwohlsein und – juhu – Delfine. Inzwischen sind wir auf dem Weg Richtung New York, am Wochenende soll ein ziemlicher Sturm draußen losgehen, wir wollen uns solange irgendwo verkriechen.

Aber dieser Artikel soll noch mehr erzählen, er soll einen Rückblick auf unseren Werftaufenthalt geben.

Wir hatten eine lange Liste mit zu erledigenden Arbeiten abgegeben, viele Dinge davon etwas zeitaufwändig und genau richtig für so ein Schiff, das den Sommer über in Reichweite steht. Man hätte Zeit gehabt, alles zu klären und entsprechend zu bearbeiten. Die größten Dinge haben auch fast geklappt. Der neue Kühlschrank und je ein neuer Auspuff für Motor und Generator, verbunden mit einer Inspektion und Wartung und neuen Dieselpumpen. Leider kam die Kommunikation zu kurz und so ist der Kühlschrank jetzt ziemlich laut wenn der Lüfter anspringt. Auch zieht er die Luft nicht wie gewünscht aus der Bilge sondern aus dem Salon – der ist in den Tropen bekanntlich wärmer, das könnte zu deutlich geringerer Effizienz führen. Wir werden sehen.
Die beiden anderen großen Baustellen waren bei unserer Rückkehr auch noch nicht abgeschlossen und das obwohl wir eine Woche später als geplant ankamen. So hatten wir neben dem Umzug vom Wohnmobil ins Schiff auch noch einen Techniker an Bord, eine nicht geringe Einschränkung und ständige Behinderung.

Unser Fehler war zu glauben, dass die Manager der Werft machen was sie uns versprochen haben, nämlich den Sommer zu nutzen um die Arbeiten umfassend abzuschließen. Es gab aber kaum mal Rücksprachen und wenn, dann wurden unsere klar definierten Wünsche nicht umgesetzt. Emails wurden einfach nicht oder nur teilweise beantwortet. Viele Positionen auf unserer Liste blieben ganz einfach unerledigt. Ein kleiner Trost ist, das alles was gemacht wurde, Hand und Fuß zu haben scheint – bis jetzt haben wir jedenfalls keine groben Schnitzer festgestellt. Motor und Generator laufen sehr gut.

Leider haben wir durch die vielen ausstehenden Dinge, weil wir alles am Ende noch selber organisieren und zum großen Teil auch selbst ausführen mussten, viel Zeit verloren.

Geklappt hat das Bestellen eines neuen Großsegels, das haben wir heute gerade zum ersten Mal gesegelt und für gut befunden.

Gar nicht geklappt hat die Reparatur des Dinghis, drei neue D-Ringe wurden erst nach lautem Gebrüll im Büro des sogenannten Managers gewechselt. Ein neuer Segelsack für den Blister wurde wohl ganz einfach vergessen obwohl das Fragment des alten mit in der Tasche lag. Eine Verlängerung des Blister-Bergeschlauchs war nicht möglich. Auch alle anderen Punkte auf unserer Liste wurden nicht bearbeitet. Der gute Mann konnte sich nicht einmal an die Liste erinnern als er sie vor meinen Augen aus unserer Mappe fischte. Er war auch der Meinung das er alles ganz prima gemacht hätte, unsere Wünsche und Vorstellungen wurden dabei geflissentlich wegdiskutiert, alle unerledigten Dinge blieben eben bei uns selber hängen. So hatten wir ziemlich viel Arbeit in den drei Wochen an Land.

Leider hatten wir eine böse Überraschung am Kiel unserer Grace. Das war der, den wir in England nach dem Crash reparieren lassen mussten. Er hatte einen kleinen Riss und Wasser hatte die Epoxyschichten unterwandert. Also die schadhaften Stellen abschleifen und nochmal schweißen. Leider keine leichte Sache, denn der ansässige Schweißer konnte trotz vielem Probieren das Loch nicht verschließen. Um einen anderen Schweißer zu erreichen war keine Zeit bzw. wurde das solange hinausgezögert, dass es uns dann zu spät wurde.  Uns blieb nichts weiter übrig als die Stelle mit speziellem Epoxy zu verschließen und zu verschleifen. Nun hoffen wir, dass diese Reparatur dauerhaft hält. Dann wurde noch 2x Antifouling gemalt, durch große und breite Rollen diesmal eine wesentlich leichtere Arbeit.

Der Wasserpass hat einen weißen Streifen bekommen, das sieht nicht nur gut aus sondern schützt auch den in Grenada Anfang des Jahres neu aufgebrachten Lack in diesem Bereich. Tim der Folienmann war unglaublich flexibel und hat uns schnell und zuverlässig trotz Regen bedient.
Zusätzlich haben wir in Australien ein Ultraschall-Antifouling bestellt. Das kommt von dort relativ preiswert als Bausatz und ist schnell zusammengebaut. Mal sehen ob das was bringt. Wir werden berichten.

Unser gebrochener Spibaum hat ein neues Endstück und ist somit wieder einsatzbereit.

Der Wassermacher ist nun noch einmal verbessert worden und hat jetzt einen zweiten Filter und ein Manometer an dem man den Druck ablesen kann.

Fürs Frischwasser gibt’s eine neue Pumpe, sehr leise und mit Kontrolllampe am Gerätepanel, so sieht man gleich wenn die wegen Wassermangel mal nicht ausgeht oder das Frischwasser so langsam in die Bilge pumpt weil irgendwo ein Schlauch lose ist.

Die Technik in der Toilette haben wir neu verlegt und so funktioniert die Sache jetzt viel besser – kürzere Leitungswege und weniger Last für die Pumpe. Außerdem können wir den Holding-Tank mit der gleichen Pumpe ausleeren nachdem wir die No-Discharge-Zonen wieder verlassen haben. Um den Vorschriften Genüge zu tun und bei einer Kontrolle kein Ticket zu erhalten werden wir das Seeventil grundsätzlich geschlossen halten und den Griff separat verstauen.

Die obere Leine unserer Reling haben wir durch ein fest eingeschweißtes Alurohr ersetzen lassen. Neue Netze bis zum Bugkorb erhöhen zusätzlich die Sicherheit.

Im Cockpit haben wir nun neue Polster, die alten sahen inzwischen erbärmlich aus und fingen an sich aufzulösen. Die ebenfalls auf dem Werftgelände ansässige Firma hat gute Arbeit geleistet. Sie waren extrem hilfsbereit bei Reparaturen an der Sprayhood und am Ende haben sie uns in Null-Komma-Nix auch noch einen neuen Segelsack für den Blister zusammen genäht, das was der Segelmacher versäumt hatte oder ihm eben nicht in Auftrag gegeben wurde.

Nachgetankt haben wir auch in der Marina. 300 Liter feinster rot eingefärbter Diesel – unversteuert und nicht für die Straße in den USA zugelassen. Er hat sich wunderbar mit dem Diesel im Tank vermischt und nun ist alles leuchtend rot.
Hoffentlich bekommen wir damit keine Probleme in Europa. Aber den Diesel gibt’s hier überall so eingefärbt und ohne Nachtanken würden wir den Intracoastal Waterway eh nicht schaffen. Also hatten wir keine Wahl.

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