Nun sind wir wieder ein paar Tage auf eigenem Kiel unterwegs. Die ersten Tage haben uns ziemlich gefordert. So gab es nicht nur wieder Ausfälle an unserem Motor (auf See musste wiedermal an der Dieselversorgung gebaut werden), unsere Seebeine haben eine Weile gebraucht um wieder so richtig zu funktionieren. Aber zum Glück sind wir nur antriebslos und müde, die schlimmeren Stadien mussten wir auch diesmal nicht erleiden. New York haben wir einfach weg gelassen. Wir waren nun mehrmals dort, es reicht auch mal. Es erschien uns verlockender in nur 2 Tagen bis Atlantic City, NJ zu kommen.

 

Das Wetter war leider gegen uns. Wind gegenan – fast die gesamte Zeit – machte uns das Vorankommen schwer. Zum Glück hatten wir moderaten Seegang mit max. 1m, trotzdem kracht der Bug auf diesem Kurs immer mal wieder in die Wellen und es scheppert im ganzen Schiff. Der Diesel, den wir in Barrington, RI getankt haben, ist schon wieder komplett verbrannt.  Nur knapp 460nm stehen dagegen auf der Uhr – keine Leistung auf die man als Segler stolz sein könnte. Zur Ehrenrettung muss man sagen, das auch eine Menge für Heizung und Stromerzeugung drauf gegangen ist, denn wir essen wenigstens einmal am Tag etwas Warmes, Marlies hat auch einiges gebacken und dazu muss ganz einfach der Generator laufen. In der Marina in Atlantic City und in Ocean City hatten wir zwar Landstrom aber das nützt zum Kochen und Backen nix, denn es muss erst von 110V auf 220V transformiert werden und unser Landstromkabel ist dann einfach zu dünn für die hohen Ströme.

 

Es überwiegt trotz allem die Erleichterung, nun endlich wieder unterwegs zu sein. Wir haben es jetzt bis südlich des 37. Breitengrades geschafft. Es ist draußen nicht mehr so schneidend kalt, die Heizung kann sich ein wenig erholen. Nachts 16°C ist schon ganz angenehm.

 

Heute sind wir in Portsmouth, Virginia angekommen. Wir liegen im Elisabeth River vor Anker. Die Einfahrt in diesen belebten Hafen war trotz der Nachsaison ein Erlebnis. Gestern schon hatten wir übernervöse Kapitäne auf den Frachtschiffen, heute gab’s übernervöse Armee, die wohl meinten wir wollten ihr abzuschleppendes U-Boot versenken. Ist schon ein eigenartiges Gefühl wenn da so ein Schnellboot mit Blaulicht und aufgepflanztem Maschinengewehr auf einen zu rast. Ausweichen im Fahrwasser nahezu unmöglich, dazu noch zwei Schlepper einer davon mit Vorfahrt. Tja, wem soll man nun zuerst ausweichen? Vielleicht dann doch lieber zuerst dem Maschinengewehr. Dabei kämpften wir nur mühsam gegen 2,5kn Strömung und den Wind und Regen von vorn, mit nur 4 Knoten Geschwindigkeit waren wir wohl kaum eine Gefahr. Aber so ist das eben, spätestens wenn es um „die Sicherheit“ geht werden hier in Amerika alle tierisch nervös. Mit der viel beschworenen Freiheit hat das dann nichts mehr zu tun, man unterwirft sich unglaublichen Regeln nur der vermeintlichen Sicherheit wegen. Es ist sehr schade das man wegen der Angst vor Terroranschlägen so viel verliert. Ich befürchte das auch in Europa die gleichen Dinge bald eine größere Rolle spielen werden.

 

Nun sind wir an dem Punkt wo wir in den ICW, den Intracoastal Waterway, einbiegen. Er beginnt hier ein kleines Stück weiter mit der Meile Null. Dann wird unser Vorankommen von Brückenhöhen, Brückenöffnungen und viel Schiffsverkehr bestimmt werden. Die Möglichkeiten zum Segeln sind eher gering, es ist meistens einfach zu eng dazu. Also wird unser guter alter eiserner Gustav weiter die Hauptarbeit leisten müssen. Wir wollen zunächst bis Beaufort, NC fahren, dann haben wir wenigstens das Cape Hatteras im Rücken. Das sind etwa 260 nm. Vielleicht ergibt sich dann eine günstige Wetterlage um im offenen Atlantik wieder eine größere Strecke Richtung Florida zu fahren.

 

Pelikan

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