Also der Mast ist noch da, die Segel auch – das Zeug muss doch für irgendwas gut sein! 4 Tage Kanalfahrt von Norfolk,VA nach Beaufort, NC haben uns ganz schön geschlaucht. Da waren Mast und Segel nur dazu da um unsere Nerven auf Trab zu halten. Segeln war weitestgehend unmöglich, mangels Wind. Platz wäre stellenweise schon gewesen, aber auch dort mussten wir mit Motor fahren.
Es musste immer einer am Ruder stehen. Das Boot fährt dank Autopilot zwar ganz gut geradeaus, vor allem wenn es windstill ist. Aber natürlich gibt es andere Boote, rücksichtsvolle und rücksichtslose Motorboote, die an einem vorbei brettern und die Grace in der Heckwelle tanzen lassen, Schlepper, die ihrer Arbeit nachgehen und nicht gerade wenig Platz beanspruchen, Angler die in kleinen Booten am Rand des Kanals Petri Heil erhoffen und Kajakfahrer, die es inmitten der großen Boote auch nicht gerade leicht haben.

Am Tage zu fahren ist ganz OK, in der Nacht wollen wir uns das aber nicht antun. Leider gibt es nicht so sehr viele Stellen wo man gut übernachten kann. Ankern ist nur bedingt möglich, oft ist es zu schmal oder einfach nicht tief genug. Obwohl wir nur 1,50 m Tiefgang haben, kommen wir an die Grenzen des Machbaren. Einmal übernachten wir an einem völlig verfallenen Steg einer stillgelegten Marina. Dort sind es nur 2 m Wassertiefe aber zum Glück ist der Pegel ziemlich stabil an dieser Stelle. Einmal vertrödeln wir einen halben Tag vor Anker weil am Morgen der Nebel zu dicht zum Weiterfahren ist. Einmal liegen wir mitten im Nirgendwo vor Anker, es ist komplett dunkel ringsherum und wir spüren absolut keine Bewegungen. Marlies hat Bedenken ob wir vielleicht mit den Kielen im Schlamm stecken – es sind aber 4,5 m Wassertiefe an dieser Stelle und die Grace schwimmt so wie sie soll.

Ab und zu kommen die Brücken. Es gibt Autobrücken und Eisenbahnbrücken. Die niedrigen Brücken öffnen auf Verlangen, manche nur zur vollen oder halben Stunde. So müssen wir ab und zu ein wenig auf die Öffnung warten. Die hohen Brücken öffnen aber nicht und da wird es schon interessant.
Unser Mast ist umgerechnet 64 Fuß hoch, die festen Brücken stehen mit 65 Fuß im Revierführer. Das aber stimmt nicht unbedingt. Je nach Wasserstand kann es mehr oder weniger sein. Eine Brücke wurde leider falsch gebaut, die hat nur 64 Fuß lichte Höhe und das auch nur wenn der Wasserstand passt. Das steht im Revierführer irgendwo im Text, in allen Übersichten ist sie trotzdem mit 65 Fuß geführt. Wir haben den Passus glücklicherweise entdeckt – oder soll ich schreiben leider – denn die Bedenken sind doch groß als wir uns nähern. Die 65 Fuß-Brücken nehmen wir inzwischen kaltblütig, das passt – wenn auch ziemlich knapp. Aber nun kommt am dritten Tag die etwas niedrigere Brücke. Eine andere Yacht lassen wir erst noch durch, die waren uns den ganzen Tag auf den Fersen und haben uns fast eingeholt. Freundlich erkundigt sich der Skipper per Funk ob alles in Ordnung ist bei uns. Ja alles OK, wir wollen ihn nur vor der Brücke durchlassen.
Der Pegel vor der Brücke zeigt 64,5 Fuß – aber wie genau ist das alte Schild an dem verwitterten Leitwerk? Wir nähern uns jedenfalls gaaaaanz langsam an, von unten sieht es aus als ob der Mast in Höhe der 2. Saling anstößt, man kann nicht gut hinsehen … erst in dem Moment als die UKW-Antenne unter der Brücke ist sieht man, wie viel oder besser wie wenig Platz dort wirklich ist. Es sind vielleicht 5 oder 10 cm. OK, das reicht – nix wie durch – die Erleichterung ist groß. Vor allem ist die Erleichterung groß weil 2 Tage vorher die Küstenwache immer wieder eine feststeckende Yacht unter einer anderen Brücke gemeldet hat. Die haben natürlich nicht wenig den Schiffsverkehr gestört. Das war aber nicht auf unserer Strecke sondern auf einer Alternativroute.

Dann haben wir es auch fast geschafft, die letzte Strecke bis nach Beaufort, North Carolina ist easy. In der kleinen Town Creek Marina kommen wir in eine ziemlich knappe Box, müssen über den Bug absteigen weil die Stege zwischen den Booten nur 2 Meter lang sind. Macht nix, wir feiern die Ankunft mit einem Abendessen im Restaurant und das Wetter belohnt uns mit Sonnenschein und 27°C. Leider hält es nur einen Tag, dann kommt eine Kaltfront und wir haben am Morgen nur noch 6°C, der Wind ist eisig. Wir hören das es sogar in Texas geschneit hat und sind froh nicht mehr im Norden zu sein. Wir nutzen das Courtesy Car der Marina, das ist ein Auto das man mal eben für eine Fahrt benutzen kann wenn man es braucht. Also stocken wir unsere Vorräte an Lebensmitteln wieder ein wenig auf und der Skipper erwirbt 3 neue Hosen für je $10 – kein schlechter Preis für Markenjeans.

Am nächsten Tag machen wir erst noch alles seeklar, es wird ein wenig vorgekocht und aufgeräumt. Kurz vor 14:00 legen wir dann ab. Es ist nicht ganz einfach aus der engen Boxengasse gegen den Wind abzulegen, aber mittels einer Achterspring an einem gegenüberliegenden Poller geht das ganz gut. Dann durch eine Brücke und raus auf den Ocean. Oh ist das schön, nicht die ganze Zeit am Ruder stehen, wunderbares Segeln. Leider ist es eisig und wir verkriechen uns im geheizten Salon. Das tut uns persönlich aber nur bedingt gut, denn wir sind die Wellen nicht mehr gewöhnt. Es geht uns nicht so wirklich gut und wir fahren nur bis Georgetown in South Carolina. Das erreichen wir am nächsten Tag kurz bevor es dunkel wird. Eigentlich wollten wir hier ankern aber es ist ziemlich voll auf dem Ankerplatz und alle freien Plätze sind nicht tief genug. Also rufe ich doch die Marina und wir haben Glück, ein Plätzchen ist noch frei.

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