Georgetown in South Carolina hat ein „historisches Viertel“. Dort ist im Sommer viel los. Es gibt einen „Harbourwalk“ – einen breiten Steg am Wasser und dort sind dann jede Menge Händler und wohl auch Touristen. Jetzt im Herbst ist davon rein gar nichts zu sehen. Das Städtchen ist im Halbschlaf versunken. Marlies geht mal zum Frisör und ist ganz zufrieden. Wir geniesen die Ruhe und spazieren auch bei kaltem und grauem Wetter herum.  Nur als es Bindfäden regnete haben wir uns im warmen Schiffsbauch verzogen und den Tag vertrödelt. Kommt man aus diesem historischem Viertel heraus, ist Georgetown mit einer Fabrik gestraft, die unglaublichen Lärm und Gestank produziert. Wir kaufen nur ein paar Lebensmittel und verziehen uns so schnell wie möglich.

Weiter geht’s nach Florida. Der Wind dreht wieder auf Nord, die Wolkendecke verschwindet. Es ist eisig auf See und wir sind froh, nicht die ganze Zeit am Ruder stehen zu müssen. Wir schaffen die Strecke in ca. 36 Stunden und landen in Fernandina Beach. Dort gibt es auch zwei große Fabriken aber es stinkt glücklicherweise nicht. Das Örtchen ist nett, es gibt einen wunderbaren Antikladen mit allem Kram, der das Sammlerherz höher schlagen lässt. Leider (oder zum Glück) haben wir keinen Platz für sowas auf dem Boot. Es gibt auch nette kleine Geschäfte mit Kunstgewerbe und Klamotten. Marlies findet endlich eine neue Handtasche die ihr gefällt und das nach 2 Jahren suchen … das hat mich Nerven gekostet *schmunzel*. Wir essen zum Mittag bei einem Asiaten und stellen fest, dass es doch auch richtig gutes und dabei preiswertes Essen gibt in USA. Man muss es vielleicht etwas mehr suchen als in Europa.

In Beaufort,NC haben wir online einen Antrag auf Verlängerung unserer Visas gestellt. Jetzt erfahren wir, dass wir wohl erst Mitte Dezember mit einer Nachricht rechnen können wie es da weitergeht. Solange wollen und können wir natürlich nicht warten und telefonieren mit dem Zoll in Fernandina. Der Officer ist sehr nett und verspricht zurück zu rufen. Was er leider nicht tut. Aber wir erfahren das in Jacksonville eine Zollhauptstelle ist und so entscheiden wir, dorthin zu fahren und einmal vorzusprechen. Die Fahrt geht im ICW entlang nach Süden, etwa 35 Meilen Kanalfahrt. Es ist spannend, weil die Strömungen ziemlich stark sind und je nachdem – einmal mit und einmal gegen unsere Richtung laufen. Wir können sogar ein wenig segeln. Im Fluss gibt es Seekühe (die wir leider nicht sehen) und Delfine (die uns mehrfach besuchen).

Jacksonville an sich ist nicht sehenswert, es ist nur ein riesiger Hafen mit Kreuzfahrerterminal, Navi, unzähligen Containerbrücken und allem was sonst so dazugehört. Die Kriminalitätsrate ist doppelt so hoch wie der Durchschnitt der USA, kein Ort zum Wohlfühlen. Wir liegen in einer kleinen preiswerten Marina am Fluss. Beim Zoll kann man nicht einfach auftauchen, man muss einen Termin vereinbaren. So rufen wir also an. Das Telefonat bringt uns nicht weiter, dort kann man uns nicht helfen. Aber ein Telefonat mit der Immigration ist ziemlich aufschlussreich. Wir sind solange legal im Land wie unser Antrag auf Verlängerung läuft und nicht abgelehnt ist. Das ist doch nett und so erkaufen wir uns mit diesem Antrag wenigstens ein paar Wochen. Die bürokratischen Mühlen mahlen hier extrem langsam und so hoffen wir einfach, dass mal gar nichts passiert bis wir Anfang Januar so oder so weiterziehen wollen. Vom Zoll haben wir ein Cruising Permit bis Mai 2015, das sollte also auch kein Problem sein.

Jetzt warten wir wieder auf passendes Wetter und werden wohl morgen weiter Richtung Miami fahren. Dort sind jetzt nicht so viele Boote und wir haben schon ein Mooringfeld gefunden, wo wir dann eine Weile bleiben wollen. Von dort aus können wir mit einem Leihwagen eine Runde durch Florida fahren und auch die Keys erkunden. Kommendes Wochenende ist dann hier erstmal Feiertag (Thanksgiving) und für uns der Erste Advent, an dem wir hoffentlich nicht mehr auf See sind.

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