Nach verspäteten Flügen durch den Pilotenstreik in Frankreich, sind wir eigentlich noch pünktlich für den Anschlussflug in San Juan auf Puerto Rico gelandet. Trotzdem mussten wir erfahren, dass der Weiterflug nach Tortola auf den BVIs wahrscheinlich mangels Fluggästen abgesagt wurde. Er­nüchterung. Aber bevor wir unserem Ärger Luft machen können hat der freundliche junge Mann vom Check-in uns und eine weitere Mitreisende aus England auf Kosten der Fluglinie in einem Ho­tel untergebracht. Und so finden wir uns ziemlich erschöpft in einer Suite – denn es gab keinen an­deren Raum mehr in der Herberge – wieder und versuchen in der schwülen, tropischen Nacht zur Ruhe zu kommen und Schlaf zu finden.
Das Frühstück ist natürlich im amerikanischen Stil inklusive Plastiktellern und -besteck. Um 8.45 Uhr hebt dann unsere Cessna endlich ab und wir bekommen einen ersten Eindruck von der Insel­welt, in der wir uns die nächsten zwei Wochen bewegen werden. Der Empfang am Flughafen ist herzlich und erleichtert geht es mit dem Mietwagen zurück nach Road Town – der Hauptstadt der BVIs – wo die Grace in der Village Cay Marina liegt. Ankommen, Koje beziehen, Vorräte besorgen. Bei den Preisen hier müssen wir erstmal ganz schön schlucken. Die BVIs sind wie die USVIs ein be­liebtes Segelrevier für die US-Amerikaner. Windgarantie, keine großen Wellen und Entfernungen zwischen den Inseln sind Ideal für die Charter-Katamarane, die pro Woche bis zu 40.000 Dollar kosten! Wer so viel Geld zum segeln ausgeben kann, der kann auch 3,50 $ für den Liter Milch bezah­len. Und natürlich muss alles importiert und auf die Inseln verteilt werden, was den Preis zusätzlich nach oben treibt. Zum Abschluss des Tages muss natürlich die Temperatur des türkisfarbenen Was­sers in einer der traumhaften Buchten im Selbstversuch überprüft werden. Ergebnis: gerade noch erfrischend!
Da wir für den nächsten Tag noch den Mietwagen gebucht haben, bietet sich eine Inselrundfahrt an, die uns durch den westlichen Teil der BVI-Hauptinsel Tortola führt. Auf steilen Straßen mit en­gen Serpentinen geht es hinauf zum höchsten Punkt, dem Mt. Sage National Park. Von hier aus gibt es einen tollen Blick über die Inselwelt. Nach der Bewältigung des Rundwanderweges durch Wald und brennende Sonne brauchen wir unbedingt eine Stärkung und Erfrischung, die wir bei „Stoutt`s Look out“ finden. Dann weiter auf abenteuerlicher „Straße“ hinauf und hinab in die Smugglers Cove zum abkühlen.
Aufgrund des konstant aus Nordost kommenden Windes entscheiden wir uns für eine Inselrundrei­se entgegen dem Uhrzeigersinn. Der erste Anlaufpunkt ist Peter Island südlich von Road Town. Kei­ne lange Überfahrt – die Inseln sind alle in Sichtweite zueinander gelegen. Die BVIs bieten kaum klassische Sehenswürdigkeiten, dafür malerische Buchten mit Palmen, Sandstränden und klarem Wasser in allen möglichen Blautönen mit Riffen, die zum Schnorcheln und tauchen einladen. Die Einheimischen sind offen, nett und hilfsbereit.
Nächster Anlaufpunkt ist Salt Island. Der Name stammt von den beiden Salzseen ab, die sich auf der Insel gebildet haben und während der britischen Kolonialzeit als Salzquelle für die königliche Marine dienten. Des weiteren befindet sich an der Westseite das Wrack der HMS Rhone, einem britischen Postdampfer, der in einem frühen Hurricane im Jahre 1867 dort auf Grund lief und sank. Es ist ein beliebtes Tauchziel und weil es nur in geringer Tiefe liegt und das Wasser sehr klar ist, kann es auch gut durch Schnorcheln erkundet werden. So erschnorcheln wir zu fünft die Unterwasserwelt des Wracks und der Riffe. Ralf und Marlies entschließen sich noch zu einem Tauchgang mit Pressluftunterstützung. Am Abend fahren wir zur nächsten Insel Cooper Island und genießen in der idyllischen Strandbar sehr leckere Cocktails.
Es gefällt uns hier so gut, dass wir beschließen einen Strandtag einzulegen. Für die Gastgeber steht allerdings erstmal aufräumen bzw. Schule auf dem Plan, aber schon am Mittag suchen wir wieder gemeinsam Schutz vor der Sonne unter dem breiten und tief gewachsenen Strandbewuchs. Abends – kurz vor der Happy Hour in der Strandbar – gibt es einen so heftigen tropischen Regen­guss, das dieser von Teilen der Besatzung zum abduschen des Salzes und Haare waschen genutzt wird. Eine willkommene Abkühlung nach der Hitze des Tages, der wieder in der Strandbar bei leckeren Cocktails ausklingt.
Die Überfahrt in die Spring Bay auf Virgin Gorda ist etwas länger und wir nutzen die Gelegenheit zum Segeln. Da beim Segeln der Wind grundsätzlich aus der Richtung weht in die man möchte, müssen wir kreuzen – wir haben ja Zeit und so weit ist es nicht. Eine der Sehenswürdigkeiten der BVIs sind „The Baths“ auf Virgin Gorda. Große Granitfelsen am Strand, die mit der Zeit rundgewa­schen wurden. Zwischen die Felsen schwappt jetzt die Brandung hin und her und bildet kleine Ba­destellen die sogenannten Baths. Beeindruckende Formationen und tolles Licht! Und auffallend viele Deutsche, die in dieser Gegend sonst eher selten anzutreffen sind. Hier können wir wunder­bar schnorcheln und durch die Felsen führt ein Pfad zur Devils Bay, deren Namen so gar nicht zu ih­rer Schönheit passen will.
Auf dem Weg zum „Gorda Sound“ im Norden von Virgin Gorda bleiben wir noch eine Nacht in der Savannah Bay wo wir am Abend am Strand grillen. Der Wind frischt auf und es bewölkt sich zuneh­mend. Bei der Weiterfahrt am nächsten Tag ist der Himmel mit grauen Wolken verhangen und erst am späteren Nachmittag reißt die Wolkendecke etwas auf. Im Gorda Sound gibt es einige Jacht­clubs und Resorts, die Anlaufpunkt für zahlreiche Bootsfahrer und Wassersportler aus aller Herren Länder sind. Die Restaurants, Souvenier-Gschäfterln und Bars sind gut besucht. Einen weiteren Tag verbringen wir im „Eustatia Sound“, einer kleinen Bucht gleich um die Ecke. Das Wasser ist herrlich blau und wir schnorcheln entlang des ausgedehnten Riffes.
Auf der Überfahrt nach Anegada haben wir wieder herrliche Segelbedingungen und wir genießen die etwa 14 Meilen lange Überfahrt zu dieser sehr flachen Insel, die im Reiseführer als einer dieser „besonderen Orte“ beschrieben wird. Sie ist bekannt für ihre großen Lobster und Flamingos, die an den Salzseen der Insel zu finden sein sollen. Da die Insel recht groß ist, entscheiden wir uns, sie mit einem Mietwagen zu erkunden. Es ist recht einsam und die „Resorts“, die man hier und da sieht, scheinen bei weitem nicht ausgebucht. Der Nordstrand der Insel ist besonders reizvoll, weil er noch sein ursprüngliches Aussehen besitzt. Ansehnliche Wellen vom offenen Meer brechen am vor dem Strand gelegenen, langestreckten Riff, an dem wir schnorcheln können. Allerdings ist das Wasser zu trübe um viel zu sehen. Flamingos finden wir auch nach intensiver Suche an den Salzseen nicht – zur besonderen Enttäuschung von Marlies. Insgesamt hat uns die angepriesene Insel aber nicht überzeugt.
Der letzte Anlaufpunkt unserer Rundreise ist „Jost van Dyke“. Die Überfahrt bietet wieder traumhaftes Segeln und der Anker fällt in einer weiteren traumhaften Bucht hinter „Sandy Spit“ in kristallklares, türkisfarbenes Wasser. Es ist fast schon langweilig schön. Sandy Spit ist eines der bekannten Motive der BVIs. Eine kleine Sandinsel mit einem grünen Flecken in der Mitte und an zwei Seiten von Riffen umgeben. Alle Klischees – die man von der Karibik landschaftlich erwartet – gibt es hier im kleinen Maßstab. An unserem letzten, nutzbaren Urlaubstag suchen wir den „Bubbly Pool“. Dieser befindet sich hinter einem Felseinschnitt, der von der Brandung ab und zu überspült wird. Das Wasser sammelt sich hinter dem Felseinschnitt und bildet den kleinen Pool, in dem vielleicht fünf Personen gut Platz haben. Die aufgewirbelten Luftblasen des hereinsprudelnden Wassers geben ihm seinen Namen. Eine willkommene Abkühlung nach der kleinen Wanderung in der Mittagssonne, die besonders von Ben ausgiebig genutzt wird. Die letzte Nacht verbringen wir in „Great Harbor“ und lassen den Abend in der urigen Strandbar „Foxys“ ausklingen. Die Preise in den Restaurants sind natürlich hoch aber am letzten Abend darf das dann schon mal sein. Das Essen ist dafür auch ausgesprochen lecker, der Abend warm und die Amerikaner – die die Bar bevölkern – geben sich dem Karaokegesang hin. Wir verlassen das Etablissement jedoch zügig nach dem bezahlen, wobei wir eine beleidigte Bedienung zurücklassen, weil wir nicht bereit sind, die auf der Rechnung vorgeschlagenen 17, 20 oder 25 % Trinkgeld zu zahlen.
Unser letzter Tag auf den BVIs ist geprägt von den Abreisevorbereitungen. Rückfahrt nach Road Town, Sachen packen und mit dem Mietwagen zum Flughafen fahren, von wo um 17.45 Uhr hoffentlich unser Flieger nach San Juan geht.
Damit gehen für uns vierzehn Tage Traumurlaub in diesem karibischen Paradies zu Ende. Hier zu segeln ist die sinnvollste Art sich die BVIs zu besehen, da die einzelnen Inseln nicht so viel Sehenswertes bieten, um sich länger zu beschäftigen. So haben wir in der Zeit sehr viel gesehen und vielfältige Eindrücke gesammelt. Für die Bewahrung während der Reise und für das Geschenk hier segeln zu können sind wir Gott sehr dankbar. Ohne unsere herzlichen Gastgeber wäre es aber natürlich nicht durchführbar gewesen und unser Dank gilt insbesondere ihnen für ihre Gastfreundschaft und die Bereitschaft mit zwei zusätzlichen Personen auf diesem engen Raum zu leben. Es war schön mit ihnen, ich hoffe sie können dasselbe sagen. Bis bald in Deutschland.

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