Die Inselwelt der Azoren wird seit Jahrhunderten von Segelschiffen auf dem Weg nach oder von Europa angelaufen. Für viele Fahrtensegler ist es am Ende nur das Städtchen Horta auf der Insel Faial, in dem sie Halt machen – kommend von den Bermudas oder den nördlichen kleinen Antillen. Es bleibt oft ein Zwischenstop für Reparaturen, dem Nachkauf von Lebensmitteln und einer kurzen Verschnaufpause für die Crew. Dabei sind die Azoren eine Reise wert, das Klima ist angenehm, die Landschaft wunderbar und gerade für Freunde des Wanderstabes gibt es hier ideale Bedingungen von leicht bis schwer.

Die Inseln unterscheiden sich stark von den karibischen Inseln. Vulkane haben die Inseln erschaffen und aus dem tiefen Meer wachsen lassen. Dabei haben sich beeindruckende Berge gebildet, die man schon weit von See aus sehen kann – so man gute Sicht hat, denn hier ist das Wetter wechselhafter als weiter südlich in der Karibik. Alles ist unglaublich grün, es gibt saftiges, fettes Gras, Kühe weiden, Grundstücke sind gerade voneinander abgetrennt, die Häuser sind mit rotem Ziegel gedeckt. Die Straßen sind zum großen Teil vorbildlich, es gibt aber auch noch ein paar unbefestigte Pisten – die lassen sich aber problemlos befahren. Es gibt jede Menge Wanderwege, sie sind gut ausgeschildert – genau wie die Straßenschilder vorbildlich sind. Geschäfte haben Öffnungszeiten und die werden eingehalten. Die meisten Häuser sind gut in Schuss und es gibt fein bepflanzte Vorgärten. Es gibt wieder richtige Singvögel und sie wetteifern auch mit anderen um die erste Stimme. Kurz und gut, wir merken es überall: das hier ist wieder Europa. Es geht dabei trotzdem nicht hektisch zu und das ist sehr angenehm.

Nachdem wir uns orientiert haben, geht es gleich an die Besorgung von Ersatzteilen. Wir brauchen Filter für den Generator, die müssen bestellt werden … es dauert 1 Woche. Wir kaufen eine neue Halterung für den Vorfilter, so sparen wir uns die abartig teuren Filtereinsätze aus den USA. Leider geht das nicht so ganz problemlos, denn die passenden Anschlussnippel sind nicht zu bekommen. Aber es findet sich ein Schlosser mit dem nötigen Werkzeug zum Schneiden eines passenden Gewindes. Na also.

Ein Segelmacher wird bestellt und am nächsten Tag erreicht uns die frohe Kunde, dass unser Blister repariert werden kann. An der Genua war noch eine kurze Naht zu erneuern. Einen weiteren Tag später haben wir die Segel zurück.

Wir leihen einen Kleinwagen – einen etwas herunter gekommenen Opel Corsa – und fahren auf der Insel herum. Es gibt viele Dörfchen mit je einem Laden und Café – der Treffpunkt zum Klönen für die Einheimischen. Wir bekommen problemlos was wir wollen, obwohl wir kein Wort Portugiesisch sprechen – Englisch versteht fast jeder. Wir wandern ein wenig in der Caldera, dem höchst gelegenen Krater mit 2 km Durchmesser. Dann besuchen wir die südliche Küste und fahren bis zum dem Platz an dem hier zum letzten Mal ein Vulkan ausbrach. Dort befindet sich noch immer eine Mondlandschaft. Wir kraxeln auf den Lavabrocken herum.

In die unbegehbare Küste haben die Azorer an einigen Stellen kleine Schwimmbecken gebaut. Die sind kostenlos nutzbar und man kann im Atlantikwasser schwimmen ohne sich in die größeren Wellen stürzen zu müssen. Toiletten und Duschen sind dort vorhanden und gut in Schuss. Es gibt auch ein paar Strände, zum Teil mit schwarzem Lavasand. Der ist natürlich sehr stark aufgeheizt und man rennt fast um zum kühlenden Wasser zu kommen.

In Horta besuchen wir die alte Walverarbeitungsfabrik. Das Kapitel Walfang ist hier seit den 80ern glücklicherweise zu Ende. Die Ausstellung beschreibt sehr gut, wie es dabei zuging. Zarte Naturen sollten sich das Ganze vielleicht nicht anschauen. Man findet bei Youtube verschiedene Dokumentationen (Beispiel) die hier gedreht wurden. Die in der Ausstellung gezeigte Doku der BBC von 1981 ist leider nicht zu finden gewesen. Die Kanus der Walfänger werden gut erhalten und man segelt auf ihnen kleine Regatten.

Auch einen Scrimshaw-Künstler besuchen wir, das ist ein Niederländer der hier seit 30 Jahren wohnt. Er bemalt Walzähne mit einer aufwändigen Technik. Die Motive drehen sich um den Walfang und die Seefahrt. Man kann sich vorstellen das die Preise aufgrund der Seltenheit der Zähne ziemlich hoch sind. Na und irgendwie sieht so ein Zahn – selbst mit einem tollen Bild drauf – irgendwie makaber in der Schrankwand aus … (mach dir selbst ein Bild)

Öfters als sonst kehren wir in die Cafés und Gaststätten ein, die Preise sind hier einfach bezahlbar.

Zu guter letzt entscheidet sich Marlies auch noch für die obligatorische Wandmalerei auf der Hafenmauer. Da wir keine großen Künstler sind, bleibt es bei unseren Namen und dem des Schiffes. Es ist ihr gut gelungen. Ben malt noch sein eigenes kleines Bild – er hatte da ganz eigene Vorstellungen.

Am Donnerstag Nachmittag dann noch ein kleiner Schock. Die Policia Maritima schlägt bei uns an Bord auf. Die Beamten bitten, an Bord kommen zu dürfen. Es stellt sich heraus das wir mit unserer MMSI-Nummer einen unbeabsichtigten Notruf abgesendet haben, er ist auf verschlungenen Wegen in Lissabon im MRCC angekommen. Bei uns ist aber alles in Ordnung. Die Epirb schläft ihren Dauerschlaf und der Test ist erfolgreich. Das einzige Gerät das noch die MMSI verschicken kann, ist das UKW-Funkgerät. Mit dem haben wir sowieso etwas Probleme in letzter Zeit. Es ist noch eines der alten Instrumente und nun wird es höchste Zeit für einen Austausch. Wir werden versuchen, uns eines hierher zu den Azoren schicken zu lassen.

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